The Voyage of the Beagle (Galapagos Teil II)

Das Highlight unseres Galapagos-Trips sollte eine 8tägige Reise auf einem Motorsegler um die Inseln sein. Wir hatten uns schon weit vorher ein paar Boote ausgesucht und die MS Beagle war einer der Favoriten. Tatsächlich sinken die (recht hohen) Preise der Boote in den letzten Tagen vor Start deutlich, so dass sich das späte Buchen lohnt – wenn man es nicht überzieht und zu lange wartet. Das haben wir nicht getan und zwei der vier letzten Plätze erhalten. Die Beagle (wer es nicht weiss: so hieß auch das Schiff von Charles Darwin, auf dem er die Galapagosinseln bereiste) fährt alle zwei Wochen entweder die nördlichen oder die südlichen Inseln ab – man kann natürlich auch beide Touren hintereinander machen. Wir hatten uns für die nördliche Route entschieden und nun geht es los. Leider müssen wir noch einmal quer über die Insel zurück zum Flughafen, da dies der Starttreffpunkt für alle Teilnehmer ist.

Am Flughafen treffen wir Daniel, unseren Guide und die anderen Teilnehmer. Dann geht es los zur Beagle. Die Beagle ist ein mit zwei Masten ausgestatteter Motorsegler mit Stahlrumpf, etwa 40 Jahre alt und gut in Schuss. Mit dem Schlauchboot setzen wir über und bekommen unsere Kabinen zugewiesen. Alles etwas enger als an Land, wie es sich für einen klassischen Segler gehört. Unsere Kabine hat zwei Etagenbetten, einen eigene Sanitärbereich und ein Fenster, das sich aber nicht öffnen lässt (zu nah an der Wasseroberfläche). Alles in klassischer Holzausstattung. Nun aber wieder an Deck – unser erstes Ziel ist die Insel Santa Cruz wo wir ein wenig schwimmen wollen und den ersten Kontakt zur Tierwelt suchen. Grundsätzlich teilt Daniel die Landungen in "dry" und "wet landings" ein, je nachdem ob wir trockenen Fußes an land kommen werden oder nicht. Am Abend ist dann die erste Verlagerung der Beagle angesagt – über Nacht werden wir nach Genovesa übersetzen, eine der weiter außen liegenden Inseln. Sieben Stunden Fahrt sind geplant, nach Aussage von Daniel kann es "etwas holperiger" werden. Recht hat er. Während der Überfahrt schaukeln die Wellen das Boot ganz hübsch durch, es rollt und schlingert heftig. Die beste Position zum Schlafen ist bäuchlings oder auf dem Rücken mit gespreitzten Beinen und möglicht weit ausgestreckten Armen. Sieht nicht sehr elegant aus aber auf der Seite liegen ist unmöglich. Die Klimaanlage rauscht und die Maschine ist auch sehr gut zu hören – das Einschlafen fällt so nicht gerade leicht. Gegen 5:30 Uhr stehe ich auf – das Boot liegt inzwischen ruhig vor Anker und die Sonne ist auch schon aufgegangen. Sehr angenehm, dass an Deck im Sitzbereich immer heißer Kaffee bereitsteht. Mit einer schönen Tasse kann ich noch eine Weile (fast) allein an Deck sitzen und den schon ziemlich aktiven Vögeln zusehen. Gegen 6 erwachen so langsam die übrigen Passagiere – insgesamt sind wir mit 14 Personen voll besetzt (was in dieser Zeit nicht auf allen Booten so ist): wir haben Mitreisende aus England (6), den USA (4), Belgien (2) und uns aus Deutschland – von Mitte 20 bis schätzungsweise Ende 50.

Der Tagesablauf auf der Beagle sieht in der Regel so aus: 7:00 Uhr Frühstück, dann eine erste Landung oft gefolgt von Schnorcheln, Lunch auf dem Boot. Nachmittags wieder eine Landing oder eine Tour mit dem "Panga", dem bordeigenen Schlauchboot und ggf. wieder Schnorcheln. Nach dem Dinner wird die Beagle meist wieder verlegt. 

Die Insel Genovesa ist vor allem aufgrund ihrer Vogelvielfalt ein lohnendes Besuchsziel. Insbesondere die "red footed boobies" sind auf Genovesa so häufig zu finden wie sonst nirgendwo. Aber auch Fregattvögel und "blue footed Boobies" und viele andere Seevögel gibt es hier. Und natürlich die all gegenwärtigen Robben.

Das Fantastische ist, dass die Tiere hier niemals durch Menschen bedroht wurden und wir buchstäblich im Abstand von weniger als 2 Metern an ihnen vorbeigehen können (näher ist von der Nationalparkverwaltung aus nicht erlaubt). Aber wenn ein neugieriger Boobie von sich aus näher kommt, kann man natürlich nichts machen… Nach dem Landgang sind wir vom Schlauchboot aus Schnorcheln gegangen – die erste Gelegenheit, sich mit der Ausrüstung und dem nicht ganz so warmen Wasser vertraut zu machen (an diesem Tag wusste ich noch nicht, das das Wasser hier noch eher warm war – im Vergleich zu anderen Tauchplätzen). Auch am Nachmittag geht es wieder an Land. An einer anderen Bucht sehen wir wieder Boobies, Fregattvögel, Pelikane, Herons, flugunfähige Kormorane und natürlich Robben. Während die Boobies hier ihren Nachwuchs großziehen und dazu immer wieder zum Fischfang aufs Meer fliegen, lauern die Fregattvögel auf ihre Rückkehr. Fregattvögel sind seltsame Seevögel. Ihr Gefieder ist nicht fürs Tauchen geeignet  – sie können selbst keine Fische fangen. Stattdessen fallen sie über andere Seevögel her die mit Beute im Schnabel vorbeifliegen und zwicken sie so lange, bis diese den Fisch fallen lassen. Den schnappen sich die Fregattvögel dann. Aber auch ein zu weit von den Eltern entferntes Jungtier verschmähen sie nicht. Aber das ist nicht das Einzige Seltsame hier. Neben dem "flugunfähigen Kormoran" – er kann dafür sehr gut schwimmen gibt es auch stachellose Kakteen. Da es auf der Insel niemals Tiere gab, die Kakteen essen, wäre es unnötige Energieverschwendung, echte Stacheln zu entwicklen. Evolution par excellence!

Auch diese Nacht heisst es, sich in der Koje festzuklemmen, da wir wieder eine unruhige Nachtfahrt vor uns haben. Aber ich habe mich inzwischen an die Schaukelei und den Lärm gewöhnt und mit offener Tür zum Gang ist auch die Luft deutlich besser, so dass ich schnell einschlafe und am morgen wieder früh auf bin. Der Tag verspricht sehr schön zu werden – gut, da wir heute segeln wollen (normalerweise nutzen auch die Motorsegler Segel kaum, da die einzelnen Trips aufgrund der Vielzahl der Boote stundengenau geplant sind). Wir sind inzwischen an der Insel Santiago angelangt und hier erwarten uns auch die "blue footed Boobies". Der Unterschied zu ihren Verwandten lässt sich auch für Nicht-Ornithologen unschwer an den Füßen erkennen. Die erste Tour des Tages führt uns über die Lavaküste – für mich einer der schönsten Ausflüge überhaupt. Gefühlte Stunden sitzen wir um die kleinen Buchten und beobachten Robben, Iguanas und Krebse. Insbesondere die Roben-Jungtiere sind verspielt und neugierig und kein bisschen ängstlich. Sie kommen auf uns zu (ihnen hat wohl keiner was von der 2-Meter-Grenze gesagt) und beschnuppern uns neugierig. Aber auch die Vögel und Iguanas sind faszinierend. Inguanas – genauer gesagt: Meeres-Iguanas – gibt es hier sozusagen wie Sand am Meer. Sie liegen in großen Kolonien auf den Felsen, wenn der Platz nicht reicht, dann auch übereinander.

Nachdem wir unseren Rundgang durch die Kinderstuben diverser Spezies (die sich im übrigen gut vertragen, Iguanas, Robben, Krebse und Seevögel leben hier und auch den anderen Inseln friedlich nebeneinander) beendet haben, können wir von Strand aus schnorcheln. Und auch das Schnorcheln ist unvergesslich: direkt beim Strand treffe ich gleich auf mehrere große Meeresschildkröten, die majestätisch ihre Kreise ziehen. Völlig unbeeindruckt von meiner Gegenwart knabbern sie an den Algen, tauchen nur hin und wieder zum Luftholen auf und wenn ich einmal etwas zu nahe komme, drehen sie ganz gemächlich ab.

Am Nachmittag werden dann die Segel gesetzt und die Beagle kann endlich einmal ihrer wahren Bestimmung gemäß ihren Kurs setzen. Eigentlich schade, dass es nur so wenig Zeit zum wirklcihen Segeln gibt, aber da ich schon vorher gelesen hatte, dass eigentlich nie gesegelt wird freue ich mich darüber, wenigstens einmal die Beagle unter Segeln erleben zu können.

Nach anderhalb Stunden ist das Vergnügen dann aber auch schon wieder vorbe, da unser Mitreisender Rob den Kapitän auf eine Boje aufmerksam macht. Der Anfang einer Langleine zum Fischfang. Allerdings ist das Fischen mit Langleinen im Reservat um die Galapagos-Inseln streng verboten (nur einheimische Fischer dürfen mit einfachen Leinen fischen). Der Kapitän beschließt, die illegale Leine einzuholen und so werden die Segel geborgen. Die Leine kann noch nicht lange im Wasser gewesen sein, da trotz einer Länge von mehr als einem Kilometer kaum etwas am Haken hängt. Neben einem angefressenen Fischkopf (da war wohl schon ein hai zur Stelle) können wir nur einen Fang ausmachen. Der rutscht uns dann – sehr zum Ärger des Kochs – auch noch beim Einholen vom Haken. Aber dann ist doch etwas da – ein großer Fisch am Haken und er lebt noch. Es ist ein Hai der wild hin und her zappelt, als wir die Leine langsam einholen. Wir kappen die Fangleine und entlassenihn in die Freiheit. Mit dem Segeln ist es danach allerdings auch vorbei. Eine Langleine besteht aus einer – manchmal mehrer Kilometer langen – Hauptleine, von der in Abständen kürzere Leinen mit den Ködern (kleine Fische) und Haken abgehen, ähnlich wie die Äste eines Baumes. Die eingeholte Leine wird von der Mannschaft fein säuberlich auseinandergeknotet und aufgeschossen. An Leine ist auf der Beagle jedenfalls der Bedarf für die nächsten Jahre gesichert…

Auf den heutigen Programm steht auch noch die Äquatorüberquerung. Eigentlich haben wir den Äquator sogar schon zweimal vorher überschritten, aber immer nachts. Heute passiert es tagsüber und wir stoppen kurz zum Äquatorschwimmen. Ich springe vom Bug ins Wasser und wurndere mich, dass es gar nicht so kalt ist. Also gleich noch einmal.

Am Abend haben wir dann die Insel Isabella erreich, wo wir über Nacht ankern. Auch schön, diesmal in Ruhe schlafen zu können. (Fortsetzung folgt)

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